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Unterhaltsrechner nachehelicher Unterhalt

nachehelicher Unterhalt

 

Wenn von nachehelichem Unterhalt die Rede ist, ist im Allgemeinen der Elementarunterhalt gemeint. Er umfasst den laufenden Lebensbedarf des Unterhaltsbedürftigen und richtet sich nach den ehelichen Einkommens- und Lebensverhältnissen beider Ehegatten. Hierzu gehören einerseits die Einkünfte aus Erwerbstätigkeit und Vermögen und auf der Ausgabenseite beispielsweise

 

  • laufende Kosten des Haushaltes wie Wohnung (einschließlich Miete mit Nebenkosten), Kreditraten für Anschaffungen, Verbrauchskosten, Reparaturen, Telefon, Internet, Ernährung, Wirtschafts- und Haushaltsgeld für die täglichen Geschäfte;
  • persönliche Bedürfnisse wie Bekleidung, Krankenvorsorge, Versorgung, Altersvorsorge, Freizeit und Hobby, Erholung, Ausbildung, Fortbildung, Taschengeld für haushaltsführenden Ehegatten (etwa 5% des Nettoeinkommens), Versicherungen etc.

Ehelichen Lebensverhältnisse

Grundlage für die Berechnung des nachehelichen Unterhalts sind die eheprägenden Einkünfte beider Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartner aus Erwerbstätigkeit und Vermögen während der intakten Ehe. Was im Einzelnen hierzu zählt und welche Abzüge vorgenommen werden können, ist meist ein umstrittenes Thema zwischen den Beteiligten, weil der Unterhaltsverpflichtete in der Regel ein Interesse hat, sein Einkommen möglichst gering zu halten, der Unterhaltsberechtigte hingegen von einem möglichst hohen Einkommen seines Ex ausgehen wird. Klärung bringt zunächst die gegenseitige Verpflichtung der Ex-Ehegatten, über die eigenen Einkommensverhältnisse Auskunft zu erteilen.

Für die Unterhaltsberechnung ist das bereinigte Nettoeinkommen wichtig. Hierunter versteht man das Jahresbrutto-Einkommen abzüglich Steuern und Sozialabgaben, vermindert um berufsbedingte Aufwendungen wie Fahrtkosten zur Arbeitsstelle etc. und sonstige berücksichtigungsfähige Abzüge wie Schulden etc. Die ermittelte Summe wird durch 12 Monate geteilt, die dann das durchschnittliche monatliche, bereinigte Nettoeinkommen ergibt. Einen ersten Überblick, was zum Einkommen und Abzügen zählt, finden Sie im Themenblock Einkommen und Abzüge.

Unterhaltsrechner nachehelicher Unterhalt

Ist die Einkommenshöhe des Unterhaltspflichtigen und des Unterhaltsberechtigten geklärt, geht es an die Berechnung des nachehelichen Unterhalts. Auf den ersten Blick erscheint dies einfach, da das vorhandene Einkommen grundsätzlich halbiert wird.

Bsp.: M verdient ein Netto von 3.000 €, die F 1.800 € netto. Dies ergibt ein Gesamteinkommen von 4.800 €. Der hälftige Anteil von M und F beträgt (4.800 : 2=) 2.400 €. Da F aber eigene Einkünfte von 1.800 € hat, erhält sie Unterhalt von M in Höhe von (2.400 – 1.800=) 600 €.

Diese vereinfachte Berechnung gilt aber nur für diejenigen Einkünfte wie Rente, Pension, Vermietung, Zinsen, Arbeitslosengeld, Wohnwert/ mietfreies Wohnen, Krankengeld etc. Bei Einkünften aus einer Erwerbstätigkeit ist zunächst ein Erwerbstätigenbonus in Höhe von 1/7 abzuziehen (siehe nachstehende Beispielsberechnungen). Dieser Bonus soll dem Unterhaltspflichtigen bzw. dem Unterhaltsberechtigten einen Anreiz für die Fortführung bzw. Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verschaffen. Nach Abzug des Erwerbstätigenbonus vom unterhaltsrelevanten Einkommen (= Einkommen nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben, Verbindlichkeiten und sonstigen Abzügen) wird das verbleibende Einkommen (6/7) hälftig geteilt (also je 3/7). In bestimmten Bezirken Süddeutschlands wird statt der 3/7 eine 1/10-Quote angewendet (z.B. Süddeutsche Leitlinien, Stand 01.01.2013.

Mangelfall: Wenn das Einkommen nicht ausreicht

Bsp.: Eine Unterhaltsberechtigte Ex- Ehefrau

M verfügt über eine monatliches Nettoeinkommen von 2.000 €. Nach Abzug anzuerkennender monatlicher Kosten verbleibt ihm ein bereinigtes Nettoeinkommen von 1.760 €

F macht Ausbildungsunterhalt geltend. Dieser beträgt eigentlich 3/7 von 1.760 €= gerundet 754 €. Nach Abzug dieses Betrages von seinem Einkommen verblieben dem M aber nur noch 1.006 €, womit sein Selbstbehalt von 1.200 €, den er gegenüber der F geltend machen kann, unterschritten wäre. Es liegt daher ein Mangelfall vor.

 

Lösung: M braucht nur die Differenz zwischen dem bereinigten Nettoeinkommen und seinem Selbstbehalt an F als Unterhalt zahlen: 1.760 – 1.200=

560 €

Unterhaltsränge: Wer bekommt zuerst seinen Unterhalt?

Verfügt der Unterhaltspflichtige über kein ausreichendes Einkommen und kein verwertungsfähiges Vermögen, um allen Unterhalts berechtigten den angemessenen Unterhalt zahlen zu können, stellt sich die Frage, wer zuerst anspruchsberechtigt ist. Der Gesetzgeber hat dies in 7 Rangstufen geregelt.

Bsp.: 2 Unterhaltsberechtigte: Ex-Ehefrau und studierendes Kind: Die von M geschiedene F steht auf dem 2. Unterhaltsrang. Der gemeinsame Sohn K ist nachrangig wegen seines 4. Ranges:

M hat ein monatliches Nettoerwerbseinkommen von

2.000 €

F verfügt über keine eigenen Einkünfte und beansprucht Ausbildungsunterhalt.

 
K studiert und lebt in einer eigenen Wohnung. Sein bedarf beträgt nach der Düsseldorfer Tabelle pauschal 670 € – vollen Kindergeldes von 184 €= 486 €
Nach Vorwegabzug des Kindesunterhalts ergäbe sich ein Unterhaltsbedarf für F von[(2.350 – 486) x 3/7]= 798 €
Dem M verblieben nach Abzug beider Unterhaltsbeträge (2.350 -486 – 798=) 1.066 €
Wenn M diese Unterhaltsbeträge an K und F zahlen würde, wäre sein angemessener Selbstbehalt von 1.200 € unterschritten. Da M wegen der Unterschreitung seines Selbstbehalts nicht den vollen Unterhalt zu zahlen braucht, liegt ein Mangelfall vor:  

Ausgangspunkt ist wieder das Einkommen des M in Höhe von

2.350 €

Hiervon ist zunächst der Unterhalt der F wegen Vorrangs gegenüber dem Unterhalt des volljährigen K abzuziehen: 2.350 x 3/7=

K muss sich mit dem Rest begnügen, nämlich (2.350 – 1.007 – 1.200=)

M behält nach Abzug der korrigierten Unterhaltsbeträge (2.350 – 1.007 – 143=)

1.007 €
143 €
1.200 €

 

Bsp.: 3 Unterhaltsberechtigte: Geschiedene Ehefrau, 1 minderjähriges Kind und 1 studierendes Kind

M verdient monatlich netto   2.400 €
Es besteht eine Unterhaltspflicht gegenüber seiner Ex-Frau F, seinem 4 Jahre alten Kind K1 und dem 23 jährigen Sohn K2 , der studiert und in einer eigenen Wohnung lebt.    
K1 hat nach der Einkommensgruppe 4 und der Altersstufe 1 einen Bedarf von 365 € – hälftigen Kindergeldes von 92 €=   273 €
K2 hat nach der Anmerkung 7 der Düsseldorfer Tabelle einen Bedarf von 670 € – vollen Kindergeldes von 184 €=   486 €

Der Unterhalt der F ist wie folgt zu berechnen: ( 2.400 – 273 – 486) x 3/7

  703 €

M würden nach Abzug der Unterhaltsbeträge verbleiben:

2.400 – 273 – 486 – 703=

938 €  
Mit diesen Zahlungen wäre M´s angemessener Selbstbehalt von 1.200 € unterschritten. Es liegt insofern ein Mangelfall vor. Es ist nun beim Unterhalt von K1 statt der Einkommensgruppe 4 nun 3 einzusetzen. Zudem ist die Rangfolge K1 vor F vor K2 zu beachten:    

Unterhalt für K1: 349 – 92=

Unterhalt für F: (2.400 – 257) x 3/7=

Unterhalt für K2: 2.400 – 257 – 918=

M verbleiben insgesamt

  257 €
918 €
25 €
1.200 €

Weitere Informationen gibt es bei Rangfolge beim Unterhalt – Wer bekommt zuerst seinen Unterhalt.

Sättigungsgrenze für Unterhaltszahlungen

Verfügt der Unterhaltsverpflichtete über ein sehr hohes oder schwer feststellbares Einkommen (Bsp.: Selbständiger betreibt mehrere Unternehmen mit teilweisem Sitz im Ausland), wird der Unterhaltsbedarf des Berechtigten nicht mit 3/7 des Nettoeinkommen des Pflichtigen berechnet; Bsp.: Der Pflichtige verfügt über ein monatliches Nettoein-kommen von 35.000,- €. Hiervon bekommt der Berechtigte nicht zwangsläufig 3/7, also 15.000,- € monatlichen Unterhalt. Vielmehr richtet sich der Unterhalt nach dem konkreten Bedarf des Unterhaltsberechtigten unter Berück-sichtigung der Gestaltung der bisherigen ehelichen bzw. partnerschaftlichen Lebensverhältnisse. Insofern muss der Unterhalt Verlangende beispielsweise Kosten für Miete, Haushalt, Ernährung, Bekleidung, Wohnungseinrichtung, Kosmetik, Frisör, Urlaub und sonstige Freizeitgestaltung, Pkw, Haushaltskraft, Kulturelles etc. konkret darstellen.

Erbschaft nach der Scheidung

Bsp.:

M verdient monatlich netto

2.800 €  

abzgl. 1/7 Erwerbstätigenbonus von 2.800 € bleiben

  2.400 €
Zwei Monate nach der Scheidung erfährt er, dass eine um zehn Ecken verwandte Tante ihm ihr Vermögen vermacht hat. Er legt das Geld auf ein Festgeldkonto an und erhält monatliche Zinsen von   400 €
F ist ebenso erwerbstätig und bezieht ein Netto von 2.100 €  
abzgl. 1/7 Erwerbstätigenbonus von 2.100 € bleiben   1.800 €
Während die beiden Erwerbseinkünfte von M und F die ehelichen Lebensverhältnisse geprägt haben, gilt dies für die Erbschaft nicht. Diese beruht hier auf einer unvorhergesehenen Entwicklung. Insofern sind weder der Vermögensstamm des Erbes noch dessen Zinserträge auf Seiten den M zu berücksichtigen.    

F hat einen Aufstockungsunterhaltsanspruch gegen M in Höhe von

  300 €

Siehe ergänzend: Wie wirkt sich eine Einkommensveränderung beim Unterhalt aus?

   

 

 

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