Scheidung

Elternunterhalt – Kinder zahlen für die Eltern

Elternunterhalt, Unterhalt für die Eltern

Dem Thema Elternunterhalt muss sich das erwachsene “Kind” spätestens dann stellen, wenn einer oder beide Elternteile in ein Altenheim oder Pflegeheim umzieht. Die Pflegeversicherung reicht oftmals für die Kosten nicht aus. Dann muss zunächst die Rente des Elternteils herhalten.

Sozialhilfeträger helfen – zunächst

Meist sind die Kosten Alten- oder Pflegeheim dermaßen hoch, dass selbst die Rente nicht zur Kostendeckung ausreicht. Regelmäßig übernehmen dann die Sozialbehörden die anfallenden Restkosten. Diese  versuchen aber, ihre Zahlungen von Verwandten wieder zu bekommen. Die Kinder erhalten alsbald Post vom Sozialhilfeträger. Hierin werden aufgefordert, Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse darzulegen.

Der Sozialhilfeträger ermittelt anschließend, ob und in welcher Höhe von den Kinder Geld zu holen ist. Informieren Sie sich schnellstmöglich bei einem Anwalt Ihres Vertrauens. Dieser kann dann prüfen, ob Sie überhaupt Unterhalt für Ihre Eltern zahlen können und müssen. Neben der richtigen Berechnung des durchschnittlichen Einkommens sind einige Abzüge vom Einkommen wie Kreditraten, Unterhaltszahlungen etc. zu berücksichtigen.

Unterhaltspflicht der Kinder für die Eltern

  1. Das Kind ist grundsätzlich gegenüber seinen Eltern unterhaltspflichtig. Die Eltern müssen bedürftig und das Kind muss selbst leistungsfähig sein. Diese Verpflichtung  ergibt sich aus § 1601 BGB. Hiernach sind Verwandte, die in gerader Linie voneinander abstammen, ihren Eltern Unterhalt zu zahlen.
  2. Bei mehreren unterhaltspflichtigen Kindern haften diese anteilig im Verhältnis zu ihrer Einkommens- und Vermögenssituation.
  3. Schwiegerkinder sind von dieser Unterhaltspflicht für die Schwiegereltern nicht betroffen.
  4. Zumindest auf dem Papier sind die Großeltern für Ihre Eltern der Bedürftigen (also die Großeltern für ihre Kinder) ebenfalls unterhaltspflichtig. Dies kommt aber so gut wie nie vor.

Bedürftigkeit der Eltern

  • Die Eltern müssen bedürftig sein. Ein vorhandenes Vermögen der Eltern ist regelmäßig nur dann zu verwerten, wenn die Verwertung nicht unbillig oder unwirtschaftlich ist.
  • Wenn das Sozialamt Kenntnis von bereits erfolgten Schenkungen der Bedürftigen an die Kinder erlangt (Bsp.: Hausübertragung, Wertpapiere, Bargeld etc.). Dann kann der Bedürftige verpflichtet werden, dessen Herausgabe wegen Notbedarfs (§ 818 III BGB) von den Kindern einzufordern.

Kind muss keinen Elternunterhalt zahlen:

In Einzelfällen kann der Elternunterhalt wegen schwerer Verfehlungen seitens der bedürftigen Eltern entfallen.  Dies kann beispielsweise der Fall sein:

  • Kind wird von den Eltern grob vernachlässigt;
  • Abschiebung in ein Heim;
  • Eltern sind ihren Unterhalts-/Versorgungs- und Betreuungsverpflichtungen nie nachgekommen.

Berechnung von Einkommen und Abzügen der Kinder

  • Ermittlung des Einkommens: Was den unterhaltspflichtigen Kindern monatlich auf das Konto überwiesen wird, ist nicht das Einkommen, welches Grundlage für den Elternunterhalt ist. Zum Einkommen zählen neben den beruflichen Einkünften auch vorhandenes Vermögen, welches grundsätzlich einzusetzen ist (Bsp.: Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen, Wohnwert, siehe nachfolgendes Beispiel).
  • Eigene Immobilie: Wer ein Eigenheim besitzt, ist nicht verpflichtet, dieses für den Elternunterhalt zu verwerten, sofern es der eigenen Alterssicherung dient oder die Immobilie von der Familie bewohnt wird.
  • Notgroschen/Rücklage: Je nach Einzelfall muss dem Unterhaltspflichtigen ein Notgroschen von bis zu 10.000,- € verbleiben.
  • Abzüge vom Einkommen: Vom Einkommen sind beispielsweise folgende Abzüge zu machen: Berufsbedingte Aufwendungen wie Fahrtkosten; zusätzliche Krankenversicherung; weitere Altersvorsorge von 5% des Bruttoeinkommens, auch Lebensversicherungen; Schuldentilgung einschließlich Zinsen für Haus, Konsumgüter etc. Was alles zum Einkommen und Vermögen zählt, lesen Sie unter Einkommen und Abzüge.
  • Unterhaltspflichten: Wenn die unterhaltspflichtigen Kinder selbst einem Ehegatten/Ex-Ehegatten/Lebenspartner/Kind etc. gegenüber unterhaltspflichtig sind, kommt es bei der Berechnung der Leistungsfähigkeit der Unterhaltspflichtigen auf die Rangfolge der einzelnen Unterhaltsberechtigten an. Der Rang des Elternunterhalt ist günstig für den Unterhaltspflichtigen geregelt worden. Nach § 1609 Nr. 6 BGB ist der Unterhalt sämtlicher Kinder (ehelich oder außerehelich), betreuender Elternteile, Ex-Ehegatten oder aktueller Ehegatte sowie Ex-Lebenspartner und aktuellem eingetragenen Lebenspartner vorrangig. Dies bedeutet, dass der Unterhaltspflichtige Unterhalt für diese Personen vorab von seinem Einkommen abziehen kann, bevor es um den Unterhalt für seine Eltern geht. Oftmals ist dann kein Einkommen über dem Selbstbehalt mehr für die Eltern vorhanden und er muss insoweit kein Unterhalt gezahlt werden. Liegt schon ein Zahlungsbescheid der Sozialbehörde vor, sollte schnellstmöglich anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
  • Abzug des Selbstbehalts: Ist ein unterhaltsrelevantes Einkommen berechnet worden, wird noch der Selbstbehalt abgezogen. Dies ist der Betrag, der oder den Pflichtigen grundsätzlich ungekürzt für den eigenen Lebensbedarf erhalten bleiben muss. Einzelheiten zum Selbstbehalt gibt es hier. Wie der Selbstbehalt bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt wird, können Sie auch in den nachfolgenden Beispielen erkennen.
  • Teilung des Unterhalts: Haben die unterhaltsbedürftigen Eltern mehrere Kinder, ist die Leistungsfähigkeit nach deren jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen zu bestimmen. Die Kinder können nicht als Gesamtschuldner (über den vollen Unterhaltsbedarf der Eltern) in Anspruch genommen werden, vielmehr haftet jedes Kind anteilig im Rahmen seiner Einkommensverhältnisse.

Selbstbehalt beim Elternunterhalt

Bsp.:  Unterhalt für pflegebedürftigen Vater

M ist unverheiratet ohne Kind.
Es hat ein monatliches Nettoeinkommen von 2.400 €
abzgl. berufsbedingte Aufwendungen -60 €
abzgl. Lebensversicherung -220 €
abzgl. Kreditraten für Pkw -250   €
Summe Abzüge 530 € -530 €
Das unterhaltsrelevante Einkommen des M beträgt 1.870 €
abzgl. Selbstbehalt für die eigene Lebensführung -1.800 €
M muss Unterhalt für seinen pflegedürftigen Vater zahlen: 70 €

Bsp.: Verheirateter lebt mit Frau und Kind im eigener Immobilie

M hat ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen von 2.800 €
F hat ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen von 440 €
Mietfreies Wohnen im eigenen Haus=Wohnvorteil von 750 €
Gesamteinkommen von M und F 3.990 € 3.990 €
abzgl. Kindesunterhalt für K, 18 Jahre alt: (675 – 194=) -418 €
abzgl. zusätzliche Altersversorgung für F -120 €
abzgl. Kreditraten für eigene Immobilie -850 €
Summe Abzüge 1.388 € 1.388 €
Das unterhaltsrelevante Einkommen von M und F beträgt 2.602€
abzgl. Selbstbehalt von M (1.800,- €) und F (1.440,- €) für die eigene Lebensführung -3.240 €
M hat kein Geld für Unterhalt, da das Familieneinkommen unter dem Familienselbstbehalt liegt, nämlich bei -1.638 €
Er muss daher keinen Unterhalt für seinen Mutter zahlen.

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