Trennungsunterhalt, Ehegattenunterhalt, Unterhaltsberechnung

Scheidungskosten steuerlich wieder absetzbar?

Nach wie vor ist die Rechtssprechung der deutschen Finanzgerichte nicht einheitlich:

Nicht abzugsfähig

  • Das Niedersächsische Finanzgericht hat mit Urteil vom 18.02.2015 die Anerkennung von Scheidungskosten abgelehnt, Az. 3 K 297/14. Es vertritt die Ansicht, dass jede zweite Ehe geschieden würde und daher kein außergewöhnliches Ereignis darstellen würde. Dem ist das Sächsische Finanzgericht mit Urteil vom 13.11.2014 gefolgt.
  • Nach Ansicht des Bundesfinanzgerichtshof im Urteil vom 16. Juni 2015 sind Scheidungskosten Prozesskosten, die steuerlich nicht berücksichtigt werden können.

Abzugsfähig

  • Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat am 16.10.2014 die Abzugsfähig als außergewöhnliche Kosten anerkannt, Az. 4 K 1976/14,
  • Der Finanzgerichtshof Köln hat in seinem Urteil zu 14 K 1861/15 wieder Bewegung in die Frage der frisch geschiedenen Steuerzahler gebracht, ob die Scheidungskosten steuerlich absetzbar sind. Das Gericht berücksichtigte einen Teil der Scheidungskosten der geschiedenen Ehefrau als außergewöhnliche Belastungen. Solche Kosten seien dann anzurechnen, wenn sie größer sind als die Kosten der Mehrheit der Steuerzahler und zugleich zwangsläufig entstehen. Ein Festhalten an der Ehe sei der Ehefrau nicht mehr zumutbar gewesen, insofern sei sie nicht umhin gekommen, die Scheidung zu beantragen und zugleich die Scheidungskosten notwendigerweise zu begleichen.
  • Das Gericht stellte ferner fest, dass die Scheidungskosten, entgegen der Ansicht des Bundesfinanzgerichtshof im Urteil vom 16. Juni 2015, keine Prozesskosten seien und es sich bei einer Scheidung auch um keinen Prozess sondern um ein Verfahren handeln würde. Diesen Kosten könne sich ein Scheidungswilliger auch nicht entziehen, weil sie aus tatsächlichen, rechtlichen oder sittlichen Gründen beruhen würden.

Unser Tipp

Es bleibt abzuwarten, was die Revision beim Bundesgerichtshof ergibt. Bis dahin sollten Sie Ihre Scheidungskosten bei der Steuererklärung geltend machen. Lehnt das Finanzamt ab, sollten Sie innerhalb eines Monats Einspruch hiergegen einlegen und auf die Entscheidung des Bundesfinanzgerichtshofs zu Az. VI R 66/14, VI R 81/14 und VI R 19/15 verweisen.

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