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Umgangsrecht des Kindes und mit dem Kind

Umgangs recht Umgangspflicht; Besuchsrecht

Wenn sich Eltern trennen bzw. scheiden lassen, soll das Umgangsrecht dem betroffenen Kind den bisherigen Kontakt mit ihm wichtigen Personen weiter ermöglichen. Die familiären Beziehungen sind, sofern sie dem Kindeswohl zugute kommen, nicht nur aufrecht zu erhalten sondern auch zu fördern.

 

Wer hat ein Recht auf Umgang mit dem Kind?

  • Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt*;
  • Geschwister*;
  • Großeltern*;
  • Stiefeltern*;
  • Pflegeeltern*;
  • *nur, solange das Kindeswohl (siehe unten) nicht gefährdet ist.

Umgekehrt hat das Kind selbst einen eigenen Anspruch auf Umgang mit den vorgenannten Personen.

Wer regelt den Umgang?

  • Im Idealfall die Eltern, sofern sie sich einig sind und die Vereinbarungen eingehalten werden; Im Rahmen eines Scheidungsverfahrens regelt das Gericht nur dann den Umgang, wenn zumindest einer der Elternteile einen entsprechenden Antrag stellt. Für diesen Antrag wird ein Anwalt benötigt;
  • das Jugendamt;
  • das Familiengericht. Lässt sich das Umgangsrecht nicht außergerichtlich regeln oder werden getroffene Entscheidungen nicht eingehalten, bleibt oft nur der Gang zum Gericht. Setzt sich einer der Elternteile über die Entscheidung des Gericht hinweg, weil er/sie das Kind grundlos wiederholt nicht zum vereinbarten Termin „herausgibt“ oder der andere nicht erscheint, kann gegen den Umgangsvereitler entweder ein Zwangsgeld bzw. Zwangshaft angedroht bzw. verhängt werden oder ein Ordnungsgeld.

Umgangsregelungen

In der Regel werden folgende Vereinbarungen getroffen, von denen selbstverständlich abgewichen werden kann:

  • Alle 14 Tage Besuchsrechte mit Übernachtungsmöglichkeit am Wochenende, abhängig vom Alter des Kindes und
  • hälftige Aufteilung der Schulferien und der Feiertage zwischen den Eltern.

Abholen oder Bringen, was müssen die Eltern tun?

In der Regel muss der Umgangsberechtigte das Kind zu Hause abzuholen und wieder zurückbringen. Im Einzelfall kann bei größeren Entfernungen der elterlichen Wohnorte auch verlangt werden, dass man sich auf halber Strecke trifft.

Was man als Elternteil oder neuer Lebenspartner vermeiden sollte.

  • Jegliche Beeinflussung des Kindes gegen den anderen Elternteil;
  • verspätet zur vereinbarten Abholzeit erscheinen;
  • Nichterscheinen zur Abholzeit;
  • im Rahmen des Kindesumgangs stundenlanges Sitzen des Kindes vor dem Fernseher oder dem Computer >>> stattdessen aktive Beschäftigung mit dem Kind;
  • den Geburtstag des Kindes, Einschulung etc. zu vergessen;
  • kein Geschenk für das Kind zu Weihnachten; Geschenke sollten sie sich an dem Umfang der Geschenke des anderen Elternteils orientieren, insofern wäre eine Absprache mit dem anderen Elternteil sinnvoll.

Gefährdung des Kindeswohls: Beschränkung/ Ausschluss des Umgangsrechts

Bei Gefährdung des Kindeswohls kann das Jugendamt oder das Gericht auf entsprechenden Hinweis bzw. auf Antrag das Umgangsrecht regeln. Viele Eltern können aber, wenn sie sich um Umgangsrechte streiten, mit dem Begriff Kindeswohl nichts anfangen, was nachvollziehbar ist, denn der Begriff Kindeswohl ist ein sogenannter unbestimmter Begriff im deutschen Recht, dessen Inhalt und Umfang durch die deutschen Gesetze in Verbindung mit der wissenschaftlichen Rechtsliteratur erläutert wird. Was umfasst das Kindeswohl in unserer Zeit:

Das Recht des Kindes auf

  • gewaltfreie Erziehung, das heißt, keine körperlichen und seelischen Verletzungen;
  • keine Behinderungen oder Einschränkungen der eigenen Entwicklung;
  • Kontakt zu beiden Elternteilen, seinen Geschwistern sowie den dahinterstehenden Familien;
  • Bildung und Ausbildung sowie Förderungen seiner Neigungen und Fähigkeiten unter Berücksichtigung der Kindeswünsche;
  • angemessene Pflege, Betreuung und Versorgung.

Achtung: Besteht die Gefahr von Körperverletzungen, sexueller Missbrauch, psychische Misshandlung, Entführung oder Vernachlässigung des Kindes kann das Gericht vorläufige Anordnungen im Eilverfahren treffen. Richtet sich die Gefahr oder die akute Verletzung jedoch gegen die Mutter, wird dies von den Gerichten meist nicht als Grund für eine Beschränkung oder Ausschluss des Umgangsrechts angesehen.

Vereitelung des Umgangsrechts

Unterbindet der Elternteil, bei dem das Kind lebt, wiederholt oder über einen längere Zeit den Kontakt eines Umgangsberechtigten zu dem Kind, ohne hierfür einen gewichtigen Grund zu haben, kann der Umgangsberechtigte seine Rechte gerichtlich einklagen, denn mit der Behinderung des für die Entwicklung des Kindes notwendigen Umgangs kann das Kindeswohl gefährdet sein. Überdies kann sich der Unterhalts Vereitelnde der Entziehung Minderjährige nach § 235 StGB strafbar gemacht haben. Je nach Einzelfall kann für die Dauer des vorenthaltenen Umgangs auch eine Herabsetzung der Unterhaltszahlung in Betracht kommen.

Was berechtigt nicht zur Umgangsverweigerung?

  • Keine, zu geringe oder unregelmäßige Unterhaltzahlungen;
  • Streitigkeiten zwischen den Eltern;
  • Neue Beziehung des Elternteils;
  • Umzug des Umgangsberechtigten;
  • Ein verweigertes Umgangsrecht beseitigt nicht die Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind,
  • Aber: Derjenige Elternteil, der dem anderen ohne gewichtige Gründe das Umgangsrecht verweigert, muss mit Einschränkungen des Ehegattenunterhalts rechnen.

Begleiteter Umgang durch Dritten

  • Bevor das Umgangsrecht wegen Gefährdung des Kindes oder der Mutter beschränkt oder gar ausgeschlossen wird oder wenn die Eltern keinerlei Kontakt miteinander bei der Übergabe und Rücknahme des Kindes haben wollen, kann das Familiengericht einen begleiteten Umgang anordnen. In diesem Fall kann der Umgang im Beisein eines Dritten (=Vertreter von Jugendamtes/Kinderschutzbund/ Jugendhilfe, ein Verwandter oder ein Freund) stattfinden, bei dem Umgangsberechtigten zu Hause oder an einem neutralen Ort;
  • Verweigert das Kind den Umgang mit dem anderen Elternteil, soll zur Aufrechterhaltung und Förderung der Beziehung zunächst ein Umgang im Beisein eines Dritten erfolgen.

Kosten des Umgangsrechts

Wer sein Umgangsrecht in Anspruch nimmt, hat grundsätzlich die Kosten für die Ausübung des Umgangsrechts selbst zu tragen (Bsp. Fahrtkosten, Verpflegung, Freizeit). Sie Kosten können dann aber einkommensmindernd (also bei der Berechnung des Kindesunterhalts) berücksichtigt werden, wenn der Berechtigte wegen wirtschaftlich enger Verhältnisse sein Umgangsrecht nicht oder nur beschränktem Maße wahrnehmen kann: Bsp.: Kind und Elternteil wohnen weit voneinander entfernt.

Der Wille des Kindes

Bei kleineren Kindern ist die Einflussname auf das Kind, den Kontakt mit dem anderen Elternteil aufrecht zu erhalten, noch einfacher als mit fortschreitendem Alter des Kindes. Spätestens mit den ersten Pubertäts-erscheinungen tritt der ausgeprägte Wille des Kindes immer mehr in den Vordergrund. Dann wird es für den betreuenden Elternteil schwieriger, das Kind vom Sinn und Zweck des Umgangs mit dem Vater/der Mutter zu überzeugen. Ab diesem Zeitpunkt müssen Kompromisse zwischen Eltern und Kind geschlossen werden, die den Fortbestand des Umgangs gewährleisten sollen. Sind die Argumente des Kindes zur Ablehnung des Umgangs nachvollziehbar und verständlich, wird man das Kind nicht mehr zu Einhaltung des Umgangs zwingen können und man sollte hierauf auch verzichten. Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, sollte sich auch überlegen, ob die Art und Weise der Freizeitgestaltung mit seinem Kind noch altersgemäß ist. Eine weitere Möglichkeit ist, starre Umgangstermins zu lockern, um dem Kind gerade am Wochenende und in den Ferien mehr Spielraum zu lassen.

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