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Höhe und Berechnung des Unterhalts für das volljährige Kind

Unterhaltsberechnung minderjähriges Kind; Höhe und Berechnung Kindesunterhalt

Während die Eltern ihrem minderjährigen unverheirateten Kind Barunterhalt (Zahlung einer monatlichen Geldrente) und Betreuungsunterhalt (Pflege, Erziehung, Gewährung von Kost und Logis etc.) schulden, entfällt bei dem privilegierten volljährigen Kind und bei dem nicht privilegierten volljährigen Kind der Betreuungsunterhalt, sofern nicht eine Behinderung des volljährigen Kindes Betreuungsleistungen notwendig macht. Solange sich das volljährige Kind noch in der allgemeinen Schulausbildung befindet, wird es als finanziell unterhaltsbedürftig angesehen. Nach Abschluss der Berufsausbildung sind Unterhaltsleistungen nur noch Ausnahmefällen möglich.

Kinder ohne abgeschlossene Ausbildung

Wohnsitz im eigenen Haushalt:

Es gibt grundsätzlich einen festen Unterhaltsbetrag von

Dieser Betrag soll den gesamten Lebensbedarf des Volljährigen decken.

735€

Wohnsitz im Haushalt der Eltern bzw. eines Elternteils:

Der Gesamtunterhaltsbedarf wird nach der Altersstufe 4 der Düsseldorfer Tabelle und dem zusammengerechneten Einkommen der Eltern mit der entsprechenden Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle berechnet.  
Mit abgeschlossener Ausbildung: Es bestehen nur noch Unterhaltsansprüche gegen die Eltern bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit, wegen Krankheit oder Behinderung. Siehe ergänzend Dauer des Unterhaltsanspruchs.  

Kinder mit geschlossener Ausbildung

bestehen nur noch Unterhaltsansprüche gegen die Eltern bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit, wegen Krankheit oder Behinderung. Siehe ergänzend Dauer des Unterhaltsanspruchs.     

Besonderheiten beim Unterhalt für das volljährige Kind

    • Der zu zahlende Unterhalt wird nicht zu gleichen Teilen auf die Eltern umgelegt. Hierzu käme es nur dann, wenn beide Einkommen gleich hoch wären. In den meisten Fällen bestehen ungleich hohe Einkommen, so dass die Eltern grundsätzlich nur einen Unterhaltsteil entsprechend ihren Erwerbs- und Vermögensverhältnissen zu tragen haben, unabhängig davon, ob sie miteinander verheiratet sind oder nie waren. Wie dieser Anteil berechnet wird, können Sie weiter unten auf dieser Seite unter Berechnungsbeispiele des Unterhalts für das volljährige Kind sehen.
    • Das Kindergeld ist dem Kind in voller Höhe als eigenes Einkommen anzurechnen, somit verringert somit die Unterhaltslast der Eltern. Praktisch sieht das so aus, dass das volle Kindergeld vom zu zahlenden Unterhalt abgezogen wird. Zugleich ist es in voller Höhe von den Eltern an das Kind weiterzuleiten, sofern das Kind es nicht direkt von der Familienkasse angewiesen bekommt.
    • Der Unterhalt umfasst die Kosten für den gesamten Lebensbedarf des volljährigen Kindes, einschließlich der Kosten für die Ausbildung, Verpflegung, Bekleidung, Freizeit, Warmmietkosten von 280 €, Taschengeld etc.
    • Über den Barunterhalt hinaus bestehen auch Ansprüche auf Mehrbedarf bzw. Sonderbedarf.
    • Nicht im Tabellenunterhalt enthalten sind die Kosten einer Kranken- und Pflegeversicherung. Im Regelfall sind die Kinder in der Familienversicherung der Eltern mitversichert. Ist dies nicht der Fall, haben die Eltern die Kosten für eine angemessene Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes anteilig nach Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen zusätzlich zum Unterhalt zu tragen. Ebenso sind die Studiengebühren eines Studenten von den Eltern zu tragen.
    • Die Elternteile können diese Aufwendungen vorab von Ihrem Einkommen abziehen. Erst dann ist der Unterhaltsbedarf des Kindes anhand der Düsseldorfer Tabelle zu ermitteln.
    • Eine Abweichung von den Tabellenbeträgen kann bei sehr günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Unterhaltspflichtigen erfolgen, also Einkünften über die 10. Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle hinaus, denn die Kinder sollen weiterhin an dem bisherigen Lebensstandard der Familie teilhaben können, siehe Themenblock Sättigungsgrenze.
    • Die ermittelten Unterhaltsbeträge sind grundsätzlich nach oben aufzurunden, was sich aus § 1612 a II 2 BGB ergibt. Dies ist auch der Grund dafür, dass keine Kommabeträge beim Unterhalt erscheinen.

Beispiel: Unterhalt für Studenten, der bei einem Elternteil lebt

M hat ein monatliches Nettoeinkommen von

 

1.600 €

F hat ein Nettoeinkommen von

 

1.350 €

Das Gesamteinkommen der Eltern beträgt

 

2.950 €

K ist 22 Jahre alt und Student. Er lebt bei seiner Mutter F. Nach der Altersstufe 4 und Einkommensgruppe 4 der Düsseldorfer Tabelle hat K einen Unterhaltsbedarf von 607 € – vollen Kindergeldes von 194 €=  

413 €

Hier erfolgt keine Höherstufung in die nächste Einkommensgruppe 5, obgleich nur einem Berechtigten Unterhalt geschuldet wird. Der Grund hierfür liegt darin, dass beide Elternteile getrennte eigene Haushalte führen, für die sie mehr Kosten aufwenden müssen, als wenn sie zusammen einen gemeinsamen Haushalt führen würden. Diese Mehrkosten wiegen somit höhere Unterhaltskosten bei Anhebung in eine höhere Einkommensgruppe auf.    

Berechnung der Haftungsanteile der Eltern:

   

Haftungseinkommen des M: 1.600 € – 1.300 € (angemessener Selbstbehalt)=

300€  

Haftungseinkommen der F: 1.350 € – 1.300 € (angemessener Selbstbehalt)=

50€  

Gesamthaftungseinkommen beider Elternteile

350€  
Unterhaltsanteil des M: 300 : 350 x 413= gerundet 354 €
Unterhaltsanteil der F: 50 : 350 x 413= gerundet 59 €
 
Einsatzbetrag

zu verteilender Gesamtbetrag

Unterhaltsbedarf K
   

 

Beispiel: Unterhalt des Studierenden mit eigener Wohnung

Für den Bedarf des volljährigen Studenten mit eigener Wohnung ist nach den Leitlinien der Düsseldorfer Tabelle ein Festbetrag von 735 € (Stand Januar 2018) angesetzt.

V hat ein Nettoeinkommen (=Einkommen – Abzüge) von   1.800€
M hat ein Nettoeinkommen von   1.400€
K ist Student mit eigenem Haushalt. Der Bedarf beträgt nach den Anmerkungen der Düsseldorfer Tabelle 735 € – vollem Kindergeld von 194 €=   541€

Haftungsanteile der Eltern:

V= 1.800 – 1.300 (Selbstbehalt)=

500€  
M= 1.400 – 1.300 (Selbstbehalt)= 100€  

Gesamthaftungsbetrag der Eltern

600€  
Unterhaltsanteil des V an K> 500:600 x 541= 451 €. Da V das Kindergeld für K bezieht, muss er dieses zusammen mit seinem Unterhaltsanteil an K zahlen: 451 + 194=   645€

Unterhaltsanteil der M an K> 100 : 600 x 541=

  90€

K erhält somit insgesamt

  735€

 

Beispiel: Einkünfte des volljährigen Auszubildenden, der bei der Mutter lebt

Die Vergütung eines in einem Berufsausbildungsverhältnis stehenden volljährigen Auszubildenden ist auf den Unterhalt der Eltern anzurechnen, d. h. die Eltern werden finanziell entlastet:

M hat ein Nettoeinkommen von

  1.800€

F verdient netto

  1.500€

Das elterliche Gesamteinkommen beträgt

  3.500€

Haftungsanteil des M= 1.800 – 1.300 (Selbstbehalt)=

500€  

Haftungsanteil der F= 1.500 – 1.300 (Selbstbehalt)=

200€  

Gesamthaftungsbetrag der Eltern

700€  

K ist Azubi, 18 Jahre alt und lebt bei F

   
Einkommensgruppe 5 und Altersgruppe 4 ergeben einen Unterhaltsbedarf des K von 633 € – vollen Kindergeldes von 194 €=   439€

Eigenes Einkommen des K: Ausbildungsvergütung in Höhe von

abzüglich ausbildungsbedingtem Mehrbedarf von

300€
90€
 

anzurechnendes Einkommen des K auf den Unterhaltsbedarf

210€ -210€

Restunterhaltsanspruch des K gegen seine Eltern

  229€

Unterhaltsanteil des M: 500 : 700 x 229=

M muss zusätzlich zu seinem Unterhaltsanteil das ihm überwiesene Kindergeld von 194 € an K zahlen, also insgesamt

  164€
358€

Unterhaltsanteil der F: 200 : 700 x 229=

  65€

 

Beispiel: Ein Elternteil kann nicht zahlen

M verdient netto bereinigt 2.800€
F ist wiederverheiratet und erwerbsunfähig. Ihr neuer Ehemann ist arbeitslos.  
Da F nicht leistungsfähig ist, bestimmt sich der Unterhalt des K allein nach dem Einkommen des M:  
K ist 23 Jahre alt, hat ein Studium begonnen und lebt bei F. Sein Unterhaltsbedarf beträgt nach der Altersstufe 4 und der Einkommensgruppe 5 der Düsseldorfer Tabelle (Höherstufung wegen nur einem Unterhaltsberechtigten) = 633€
Nach Abzug des vollen Kindergeldes von 194 € muss M an K zahlen (633 -194=) 439€
F muss das an sie von der Familienkasse gezahlte Kindergeld in voller Höhe an K weiterleiten.  

 

Beispiel:  Ein Elternteil hat nur fiktive Einkünfte

Ist ein Elternteil nicht leistungsfähig, wird diesem Elternteil, sofern er seine Erwerbsobliegenheit verletzt, fiktives Einkommen angerechnet, § 1607 II BGB. Er wird also behandelt, als wenn er seiner Erwerbsverpflichtung gegenüber seinem Kind nachgekommen wäre.

M hat ein Erwerbseinkommen von   1.700€
F arbeitet nicht. Sie ist aufgrund ihrer Erwerbsobliegenheit gegenüber ihrem volljährigen Kind aber zur Ausübung einer vollschichtigen Tätigkeit verpflichtet, zu der sie in der Lage wäre. Überdies besteht eine reale Chance auf einen Arbeitsplatz. Insofern werden ihr diejenigen Einkünfte, die sie bei Ausübung dieser Tätigkeit erzielen könnte, fiktiv angerechnet, das heißt, sie wird so behandelt, als wenn sie diese fiktiven Einkünfte wirklich verdienen würde. Hier werden ihr 1.450 € angerechnet, wobei 5% für fiktive berufsbedingte Aufwendungen abgezogen wurden.   1.450€
Das Haftungseinkommen des M beträgt nach dem Abzug des Selbstbehalts 1.700 € – 1.300=) 400€  
Das Haftungseinkommen der F beträgt nach dem Abzug des Selbstbehalts (1.450 € – 1.300=) 150€  
Gesamthaftungseinkommen der Eltern 600€  
K ist ein 22 Jahre alter Student, der in der eigenen Wohnung lebt. Sein Bedarf bestimmt sich nach den Anmerkungen der Düsseldorfer Tabelle auf 735 € – vollem Kindergeld von 194 €=   541€
Der Anteil des M am Unterhalt für K beträgt 400 : 600 x 541=   361€
Der Anteil der F am Unterhalt für K beträgt   150 : 600 x 541=   135€
Aber:    

K braucht sich mit dem fiktiven Einkommen der F aber nicht abfinden, zumal diese Ansprüche meist nicht in bare Münze umgesetzt werden können. In entsprechender Anwendung des § 1607 II BGB wird dem Kind daher das Recht eingeräumt, den anderen Elternteil, sofern dieser leistungsfähig ist, in voller Unterhaltshöhe in Anspruch zu nehmen. Hier müsste der leistungsfähige M den Anteil der F mit übernehmen und insgesamt 541 € an K zahlen.

Der Unterhaltsanspruch des K gegen die F geht dann nach § 1607 III BGB auf den M über, der versuchen kann, den auf ihn übergegangenen Anspruch gegen die F durchzusetzen.

 

Ergänzende Informationen zur Ersatzhaftung.

 

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