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Düsseldorfer Tabelle 2021

Düsseldorfer Tabelle Kindesunterhalt Unterhaltsbedarf Selbstbehalt Altersstufe Einkommensgruppe Tabellenunterhalt

Für die Berechnung des Barunterhaltes für Kinder und Ehegatten werden die Düsseldorfer Tabelle mit ihren Anmerkungen sowie ergänzende Unterhaltsleitlinien herangezogen. Tabelle und Leitlinien sind unverbindlich, da sie keine Gesetzeskraft haben. Mit ihnen soll eine gleichmäßige Unterhaltsberechnung für vergleichbare Sachverhalte geschaffen werden. Im Einzelfall ist das Ergebnis des Tabellenunterhaltes aber auf seine Angemessenheit hin zu überprüfen. Dies bedeutet, der Kindesunterhalt kann vom Gericht noch korrigiert werden.

Infos für die Berechnung des Tabellenunterhalts

  • Einkommen des bzw. der Unterhaltspflichtigen:

Mit Einkommen im Sinne der Düsseldorfer Tabelle sind die bereinigten Nettoeinkünfte gemeint. Das heißt, von den Nettoeinkünften sind bereits anerkennenswerte Kosten abgezogen. Bsp.: Schulden, berufsbedingte Aufwendungen wie Fahrtkosten, Ratenzahlungen usw. Weitere Infos finden Sie unter Einkommen und Abzüge.

Beim minderjährigen Kind ist meist nur das Einkommen eines Elternteils für die Berechnung des Kindesunterhalts heranzuziehen. Dies ist regelmäßig derjenige, bei dem das Kind nicht lebt. HIngegen wird beim Unterhalt für das privilegierte volljährige Kind und das volljährige Kind das zusammengerechnete Einkommen beider Elternteile berücksichtigt.

Oftmals ist das genaue Einkommen des Unterhaltspflichtigen nicht bekannt. Ein Anwalt kann den Pflichtigen zur Auskunft über sein Einkommen auffordern. Ergänzende Infos gibt es zum Thema Auskunftsrecht.

Unterhalt – Düsseldorfer Tabelle 2021

Die Unterhaltshöhe ergibt sich aus der Kombination von Einkommenshöhe des Barunterhaltspflichtigen, dem Alter des Kindes und der Anzahl der Unterhaltsberechtigten. Daher hat die Düsseldorfer Tabelle unterschiedliche Einkommensgruppen und Altersstufen entwickelt: (Zum Vergrößern > anklicken)

Unterhaltsberechnungen mit der Düsseldorfer Tabelle 2021

Bsp.: Unterhalt für 2 Kinder: 
M verfügt über ein bereinigtes Nettoeinkommen von

Das entspricht der Einkommensgruppe 3 der DüsseldorferTabelle 2.301 – 2.700.

2.500€
Die von ihm getrennt lebende F hat eigene Einkünfte. Sie macht also keine Unterhaltsansprüche gegen M geltend.
K1 ist 13 Jahre alt. Dieses Alter entspricht der Altersstufe 3 (12 – 17 Jahre). Altersstufe 3 und Einkommensgruppe 3 ergeben einen Unterhaltsbedarf von 581 €. Hiervon ist die Hälfte des gezahlten Kindergeldes (= 109,50 €) abzuziehen (siehe Kindergeld) > K1 hat einen Unterhaltsanspruch von (581 – 109,50=) 471,50€
K2 ist 4 Jahre alt > Altersstufe 1 und Einkommensgruppe 3 ergeben 433 € Unterhalt. Hiervon ist die Hälfte des gezahlten Kindergeldes (= 109,50 €) abzuziehen> K2 hat einen Unterhaltsanspruch von (433 – 109,50=) 323,50€
Bsp.: Der Tabellenbetrag ist nicht immer identisch mit dem Betrag, der letztlich zu zahlen ist:
M verfügt über ein bereinigtes Nettoeinkommen von

Dies entspricht Einkommensgruppe 1 der Düsseldorfer Tabelle.

1.450€
K1 ist 17 Jahre alt >Altersstufe 3 und Einkommensgruppe 1 ergeben 528 € Unterhalt. Hiervon ist die Hälfte des gezahlten Kindergeldes (= 109,50 €) abzuziehen> K1 hat einen Unterhaltsanspruch von (528 – 109,50=) 418,50€
K2 ist 15 Jahre alt > K2 hat einen Unterhaltsanspruch in gleicher Höhe wie K1, da für ihn die gleiche Altersstufe gilt wie für K, also 528 – 109,50= 418,50€
Wenn M den vollen Unterhalt an seine Kinder zahlen würde, verblieben ihm nur noch (1.450 – 418,50 – 418,50=) 613 €. Der Selbstbehalt des M beträgt gegenüber seinen minderjährigen Kindern aber 1.160 €. Kann er trotz Beachtung seiner gesteigerter Erwerbsobliegenheit (z. B. zusätzlicher Nebenjob, Überstunden) gegenüber seinen minderjährigen Kindern nicht den Mindestunterhalt zahlen, kommt es zu einem sogenannten Mangelfall (=Berechnung eines zu zahlenden Unterhaltsanteils). Er muss also nur den Betrag für Unterhalt seine beiden Kinder aufwenden, der über seinem Selbstbehalt liegt, also (1.450 – 1.160=) 290 €. Dieser Betrag wird hier hälftig auf die Kinder verteilt (je 145 €), weil beide Kinder gleich hohe Unterhaltsansprüche haben.
Haben die Kinder verschiedene Altersstufen, besteht auch ein unterschiedlich hoher Unterhaltsbedarf. In diesem Fall muss der Mangelfall anhand einer Formel berechnet werden. Siehe hierzu den Themenblock Mangelfall mit Rechenbeispielen.

Was  im Tabellenunterhalt enthalten ist

Verpflegung, Unterkunft, Bekleidung, Schulbedarf, Kosten für Freizeitaktivitäten und Taschengeld des Kindes enthält der Unterhalt bereits. Nachhilfestunden, Internatskosten, Krankheitskosten und Klassenfahrten zählen als Sonder- oder Mehrbedarf.

Wenn mehr oder weniger Unterhaltsberechtigte vorhanden sind

Die vorgegebenen Unterhaltsbeträge der Düsseldorfer Tabelle gehen von zwei unterhaltsberechtigten Personen aus.  Ob es sich hierbei um zwei Kinder oder um ein Kind und einem Ehegatten/ eingetragenen Lebenspartner etc. handelt, ist gleichgültig. Eine Höher- oder Herabstufung der Einkommensgruppe des Unterhaltspflichtigen kommt regelmäßig dann zur Anwendung, wenn anstelle zweier Unterhaltsberechtigter nur einer oder mehr als zwei vorhanden sind.

Bsp.: 1 Unterhaltsberechtigter:    

M hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 1.950€
K ist 14 Jahre alt> Einkommensgruppe 2 und Altersstufe 3 ergeben einen Unterhalt von 555€
Da kein weiterer Unterhaltsberechtigter vorhanden ist, ist eine Höherstufung der Einkommensgruppe von 1 auf 2 vorzunehmen. Insofern beträgt der Kindesunterhalt  581€
Das hälftige Kindergeld (siehe Kindergeld) ist hiervon noch abzuziehen, also (219 : 2=) -109,50€
M muss an K monatlichen Unterhalt zahlen in Höhe von 441,50€
Bsp.: 3 Unterhaltsberechtigte:  
M hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 3.600€
F hat eigenes Einkommen. Die drei Kinder leben in ihrem Haushalt.
Weil 3 unterhaltsberechtigte Kinder vorhanden sind, ist eine Herabstufung der Einkommensgruppe von 6 auf 5 vorzunehmen:
K1 ist 12 Jahre alt> Altersstufe 3 und Einkommensgruppe 5 ergeben einen Unterhalt in Höhe von 634 € – hälftigen Kindergeldes in Höhe von 109,50 €=  524,50€
K2 ist 8 Jahre alt> Altersstufe 2 und Einkommensgruppe 5 ergeben einen Unterhalt in Höhe von 542 € – hälftigen Kindergeldes in Höhe von 109,50 €= 432,50€
K3 ist 4 Jahre alt> Altersstufe 1 und Einkommensgruppe 5 ergeben einen Unterhalt von 472 € – hälftigen Kindergeldes in Höhe von 112,50 €*=  359,50€
* für das dritte Kind werden 225 € für Kindergeld gezahlt, für die ersten beiden Kinder je 219 €.
Bsp.: Unterhaltspflicht beider Elternteile für ein privilegiertes volljähriges Kind:  
M hat ein bereinigtes Nettoeinkommen (=Einkommen – Abzüge) von 2.000€
 Ihm muss gegenüber seinen Kindern ein Selbstbehalt von 1.160€ bleiben: 2.000€ – 1.160€=  840€
F hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von

Vorwegabzug des Selbstbehaltes gegenüber priv. volljährigem Kind von 1.160 €: 1.888€ – 1.160€=)

Das Haftungseinkommen der F beträgt (1.800 – 1.160=)

 1.800€ 640€
Das zusammengerechnete Einkommen von M und F beträgt 3.800€
Das Gesamthaftungseinkommen der Eltern beträgt  1.480€
K ist ein 18 Jahre alter Schüler, der bei F lebt.Der Tabellenunterhalt bestimmt sich für K nach der Altersstufe 4 und der 6. Einkommensgruppe (3.501-3.900) der Düsseldorfer Tabelle, wobei das volle Kindergeld vom Tabellenunterhalt des privilegierten Kindes abzuziehen ist, siehe Kindergeld. Der Bedarf des K beträgt somit 722 € – vollen Kindergeldes 219 €= 503€
Monatlich zu zahlender Unterhaltsanteil des M= 503 x 840: 1.480= gerundet> 285,50€
Monatlich zu zahlender Unterhaltsanteil der F= 530 x 640: 1.480= gerundet> 229,20€
Da die Kindergeldkasse M das Kindergeld für K in Höhe von 219 € anweist, muss dieser den Betrag und seinen Haftungsanteil an K zahlen: 219 + 285,50=504,50 €
  • Bei überdurchschnittlich hohen Einkommensverhältnissen der Eltern muss das Kind einen Bedarf, der über den Höchsttabellensatz hinausgeht, konkret vortragen und beweisen.
  • In den Unterhaltsbeträgen sind keine zusätzlichen Kosten (Kindergarten, Kindesbetreuung, Klassenfahrten, Studiengebühren etc.) enthalten. Diese sind von beiden Elternteilen entsprechend ihrer Einkommensverhältnisse zu tragen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Mehr- und Sonderbedarf beim Unterhalt für das minderjährige, privilegierte volljährige und volljährige Kind.
  • In den Unterhaltsbeträgen der Düsseldorfer Tabelle sind auch nicht die Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes enthalten. IBesteht keine beitragsfreie Versicherung über eine Familienkrankenversicherung, sind diese Kosten vom Unterhaltspflichtigen zusätzlich zum Tabellenunterhalt zu tragen. Vor Berechnung des Kindesunterhalts sind diese Kosten allerdings vorab vom Einkommen der Pflichtigen abzuziehen. Denn es steht weniger Einkommen für den Kindesunterhalt zur Verfügung. Eine beitragsfreie Pflegeversicherung besteht für minderjährige Kinder über die gesetzliche oder private Versicherung der Eltern.

 

Bsp.: Vorwegabzug von Krankenversicherungskosten:  
M ist selbständig und privat krankenversichert. Sein bereinigtes Nettoeinkommen beträgt 2.000€
Nach der Trennung von seiner Frau, bringt die F das gemeinsame Kind K zu Welt.
Die monatlichen Kosten für die private Krankenversicherungskosten der K betragen 60€
Das für die Unterhaltsberechnung maßgebliche Einkommen des M beträgt (2.000 – 60=) 2.000€
Aufgrund seines Einkommens von 1.940 € liegt Einkommensgruppe 2 der DüsseldorferTabelle vor. Da aber nur ein Unterhaltsberechtigter vorhanden ist (F hat eigenes bedarfsbedeckendes Vermögen), erfolgt eine Anhebung auf die 3. Einkommensgruppe (siehe oben), was für K eine höhere Unterhaltszahlung bedeutet.
K1 hat die erste Altersstufe. Zusammen mit der Einkommensgruppe 3 ergibt dies einen Tabellenunterhalt von 433 €. Hiervon ist die Hälfte des gezahlten Kindergeldes (= 109,50 €) abzuziehen > K hat gegen M einen Unterhaltsanspruch von (433 – 109,50=) 323,50€

Anmerkungen zur Düsseldorfer Tabelle

In der Düsseldorfer Tabelle wird zunächst der Unterhaltsbedarf für den Kindesunterhalt berechnet. Die Anmerkungen zur Tabelle geben unter anderem folgende, ergänzende Auskünfte

  • wie der Ehegattenunterhalt berechnet wird;
  • welcher Selbstbehalt dem Unterhaltspflichtigen in der Regel verbleiben muss;
  • welche Besonderheiten beim Unterhalt für volljährige Kinder zu beachten sind;
  • welche Auswirkungen eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen hat (=Berechnung eines Mangelfalls).

Siehe Anmerkungen zur DüsseldorferTabelle 2021. Klicken Sie auf die pfd-Datei.

Leitlinien

In eigenen Leitlinien stellen die Oberlandesgerichte der Länder regelmäßig Folgendes dar:

  • Wie wird der Ehegattenunterhalt berechnet wird; was ist zu tun, wenn der Unterhaltspflichtige zu geringe Einkünfte hat, um alle Unterhaltsforderungen zu begleichen.
  • Welche Einnahmen hat der Unterhaltspflichtige und der Berechtigte (Bsp. Lohn, Rente, Mieteinnahmen, Kapitaleinkünfte, Sozialleistungen), die unter das unterhaltsrechtliche Einkommen fallen.
  • Welche Abzüge vom Einkommen kommen in Betracht. Denn wer beispielsweise einer Berufstätigkeit nachgeht, zahlt in der Regel Steuern, Sozialversicherungsabgaben und für die Altersvorsorge usw.
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